Kompressor-Zustandsdiagnose bei Wärmepumpen
Kompressor-Diagnose bei der Wärmepumpe: Symptome, Messmethoden, Kompressionsverhältnis und vorausschauende Wartungsplanung.
Von Redaktion Wpcheckpro · Redaktion · veröffentlicht am 13. Oktober 2025
Der Kompressor: Das Herzstück der Wärmepumpe
Der Verdichter (Kompressor) ist das teuerste und verschleißanfälligste Bauteil einer Wärmepumpe. Er komprimiert das gasförmige Kältemittel und erzeugt damit den notwendigen Temperaturhub zwischen Wärmequelle und Heizsystem. Ein frühzeitiges Erkennen von Kompressorverschleiß kann teure Folgeschäden verhindern und die Lebensdauer der Anlage erheblich verlängern.
Symptome eines verschlissenen Kompressors
Folgende Symptome deuten auf eine beginnende oder fortgeschrittene Kompressorverschlechterung hin:
- Sinkender Hoch-/Niederdruckunterschied bei konstanten Betriebsbedingungen
- Erhöhte elektrische Leistungsaufnahme bei gleichzeitig sinkender thermischer Leistung
- Steigende Anlaufstromspitzen (messbar mit Strommesszange)
- Ungewöhnliche Geräusche: Klopfen, Surren, metallisches Schleifen
- Überhöhte Heißgastemperatur (über 120°C bei normalem Betrieb)
- Motorwicklung mit erhöhtem Wicklungswiderstand oder gesunkenem Isolationswiderstand
Messtechnische Diagnose am Kompressor
Im Rahmen der Inspektion werden folgende Messungen am Kompressor durchgeführt:
- Druckmessung: Hoch- und Niederdruckmessung mit kalibriertem Manometerblock. Vergleich mit Referenzwert aus Herstellerdokumentation bei aktuellen Betriebsbedingungen.
- Temperaturmessung: Messung der Heißgastemperatur am Kompressorausgang mit Kontaktthermometer. Normalbereich je nach Kältemittel und Betriebspunkt: 60–100°C.
- Strommessung: Anlaufstrom und Betriebsstrom messen und mit Typenschildangaben vergleichen.
- Wicklungswiderstand: Messung mit Milliohmmeter zwischen den Wicklungsanschlüssen. Asymmetrie über 5% ist kritisch.
- Isolationswiderstand: Messung zwischen Wicklung und Gehäuse mit 500V DC. Mindestanforderung: 1 MΩ.
Verdichtungstest (Kompressionsverhältnis)
Das Kompressionsverhältnis wird aus dem gemessenen Hochdruck (absolut) und dem gemessenen Niederdruck (absolut) berechnet:
π = p_hoch / p_nieder
Das Soll-Kompressionsverhältnis ergibt sich aus den Kältemitteldrucktabellen bei den gemessenen Sauggas- und Heißgastemperaturen. Eine deutliche Unterschreitung (mehr als 10%) deutet auf ein internes Kompressorleck (Ventilschaden) hin.
Betriebsstundenauswertung
Die Betriebsstunden des Kompressors sind ein wichtiger Alterungsindikator. Typische Kompressoren in Wärmepumpenanlagen sind auf 80.000 bis 150.000 Betriebsstunden ausgelegt. Im Inspektionsbericht sollten Betriebsstunden und Start-Stopp-Zyklen dokumentiert werden, da häufiges Takten den Kompressor überproportional belastet.
Vorausschauende Wartung basierend auf Diagnosedaten
Eine konsequente Kompressordiagnose im Rahmen der Jahresinspektion ermöglicht die vorausschauende Planung eines Kompressoraustausches. Bei rechtzeitiger Diagnose kann ein geplanter Tausch in der betriebsarmen Sommerperiode erfolgen – anstatt eines ungeplanten Notfallausfalls im Winter, der deutlich höhere Kosten und Komforteinbußen verursacht.