Frostschutzmittel im Solekreis messen und prüfen
Frostschutzmittel im Solekreis messen: Refraktometermessung, Sollkonzentrationen, pH-Wert und Inhibitorgehalt bei der Jahresinspektion.
Von Redaktion Wpcheckpro · Redaktion · veröffentlicht am 26. November 2025
Warum der Frostschutz im Solekreis kritisch ist
Im Solekreis einer Erdwärmepumpe kann die Temperatur im Betrieb auf unter 0°C sinken, da dem Erdreich auch bei negativen Außentemperaturen Wärme entzogen wird. Die Soleflüssigkeit – ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel (meist Ethylenglykol oder Propylenglykol) – muss bei den auftretenden Minimaltemperaturen noch fließfähig sein. Eine zu niedrige Frostschutzkonzentration kann zu Einfrieren der Rohrleitungen und zu schwerwiegenden Schäden am System führen.
Typische Frostschutzmittel und ihre Eigenschaften
In Wärmepumpensolesystemen werden hauptsächlich eingesetzt:
- Propylenglykol: Lebensmittelgerecht, biologisch gut abbaubar. Wird bevorzugt bei Trinkwasser-Nähe oder ökologisch sensiblen Gebieten eingesetzt. Etwas weniger effizient als Ethylenglykol.
- Ethylenglykol: Günstig, gut verfügbar. Giftig, daher in Trinkwasserschutzzonen nicht zugelassen. Bessere Wärmeübertragungseigenschaften.
- Betain (Zucker-Alkohol): Natürliches Frostschutzmittel. Zugelassen auch in Wasserschutzgebieten. Höherer Preis.
Messverfahren: Refraktometer
Die Frostschutzkonzentration wird am einfachsten mit einem optischen Refraktometer gemessen:
- Kleine Soleprobe entnehmen (aus dem Probenahmehahn am Solekreis)
- Einige Tropfen auf das Prisma des Refraktometers geben
- Refraktometer gegen Licht halten und Skalenwert ablesen
- Je nach Refraktometertype: direkte Anzeige in °C Gefrierpunkt oder als Konzentrationsprozent
- Ergebnis mit dem Sollentwert aus der Systemdokumentation vergleichen
Sollkonzentrationen je nach Anlagentyp
Empfohlene Gefrierpunkte der Soleflüssigkeit:
- Tiefenbohrungen: Gefrierpunkt mind. -15°C (typisch: 25–30% Glykol)
- Horizontalflächenkollektoren: Gefrierpunkt mind. -12°C bis -18°C (je nach Verlegtiefe)
- Energiepfähle: Gefrierpunkt mind. -10°C
Sicherheitszuschlag gegenüber der niedrigsten zu erwartenden Soletemperatur: min. 5 K.
Zusätzliche Prüfparameter
Neben der Konzentration sollten bei der Inspektion folgende Solequalitäts-Parameter geprüft werden:
- pH-Wert: Soll 7–9. Saure Sole (pH unter 7) greift Metallkomponenten an.
- Farbe und Trübung: Klare, leicht gefärbte (je nach Produkt) Sole. Trübe oder dunkel verfärbte Sole deutet auf Korrosion oder Biodegradation hin.
- Inhibitorgehalt: Korrosionsschutzinhibitoren haben eine begrenzte Wirkungsdauer. Herstellerangaben zum Erneuerungsintervall beachten (typisch 5–10 Jahre).
Maßnahmen bei Abweichungen
Bei zu niedriger Konzentration: Konzentriertes Frostschutzmittel nachfüllen und gut durchmischen. Bei Verdacht auf Solequalitätsprobleme (pH, Inhibitor): vollständigen Solewechsel durchführen. Alle Maßnahmen sind zu dokumentieren.